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Bürger wehren sich gegen Autobahn Südring

Resolution VBI: Autobahn-Südring kein Beitrag zur Problembewältigung - 14.2.2001

Die  Vereinigte Bürgerinitiative Südlicher Erholungsraum München und die angeschlossenen Umweltverbände stellen mit Befremden fest, daß die Landtagsabgeordneten Roswitha Riess(CSU) und Peter Paul Gantzer(SPD) als Vertreter ihres Wahlkreises im Münchner Norden mit dem Vorschlag, den Autobahn-Südring wieder aus der Versenkung zu holen, einen bedauerlichen, äußerst problematischen Versuch einer persönlichen Profilierung unternehmen.

Der verstaubte Vorschlag einer Ringschließung geht auf zwanghafte Ringvorstellungen zurück, die längst fachlich und politisch überholt sind. Bereits im Jahre 1979 wurde das Raumordnungsverfahren eingestellt und die Streichung des Südrings aus dem Bundesverkehrswegeplan eingeleitet. Durch Fachgutachten war klargestellt, daß tangentiale Verkehrsverbindungen zur Abwicklung der Fernverkehrsströme im Raum München ausreichend sind. 

Mit dieser Problematik befaßt sich die Vereinigte Bürgerinitiative seit dem Jahre 1973.  Es handelt sich um einen Zusammenschluß der Waldschutzgemeinschaften im Münchner Süden. Diese Schutzgemeinschaften  haben das Ziel, die wertvollen Erholungsgebiete als Naturraum zu erhalten und gegen Eingriffe aller Art zu verteidigen. So hat die Vereinigte Bürgerinitiative nicht nur wesentlich zur Streichung des AutobahnSüdrings beigetragen, sondern auch erfolgreich den geplanten 380 KV-Ring um München (von 1979-1982) bekämpft und auch das überflüssige dritte Müllverbrennungswerk der Stadt München im Warnberger Feld bei Pullach im Jahre 1985 zu Fall gebracht.

Der Vorschlag für einen Autobahn-Südring bedroht nicht nur 5 Mio qm Wald mit  einmaligen Natur- und Erholungsgebieten wie Würmtal und Isartal. Er zerschneidet und entwertet über den unmittelbaren Eingriff hinaus weite Lebensräume; dennoch ist er nicht geeignet, die Problematik des überlasteten Autobahn-Ostrings zu lösen. Selbst wenn man die wertvollen Münchner Erholungsgebiete dem Verkehr opfern würde, wäre mit dem Autobahn-Südring der totale Verkehrskollaps am Brunntaldreieck vorprogrammiert. Schon heute ist dieser Knotenpunkt vielfach überlastet und die Staus erstrecken  sich bis nach München-Ost und zur Ausfahrt  Holzkirchen. Die Verkehrsplaner haben längst erkannt, daß es keinen Sinn macht, einen bestimmten Engpaß übermäßig aufzuweiten, weil das schwächste Glied in der Kette den Verkehrsfluß bestimmt. Solche Aufweitungen verleiten die Kraftfahrer zum Rasen, was dann an der nächsten Engstelle zum Verkehrsstillstand und zu häufigen Auffahrunfällen führt, eine Erscheinung, die der ADAC vor Jahren einmal zutreffend als den "Stau aus dem Nichts" bezeichnete.

Abhilfe ist nur möglich, wenn die Straßenplanungen die großräumige Umfahrung der Landeshauptstadt  München vorantreiben und am Ostring eine weitere Spur in jeder Fahrtrichtung angebaut wird. Die regionalen Verkehrsströme im Münchner Süden und Westen können allenfalls durch die in der Diskussion befindliche Stadtumlandbahn, nicht durch Zerstörung der wertvollsten Erholungsgebiete bewältigt  werden. Außerdem muß die große Verkehrspolitik grundsätzlich überdacht und der überörtliche Lastverkehr nicht wie bisher auf die Straße, sondern auf die Schiene gebracht werden. - Im Jahre der Eröffnung des Rangierbahnhofs Mü.-Allach(1991) lagen  30 % Güterverkehr auf der Schiene, heute sind es nur noch 15 %!       

Auf die abwegigen Vorschläge einer Untertunnelung des Südrings über Dutzende von Kilometern ist nicht näher einzugehen, nicht nur der Kosten wegen. Solche Ungetüme wären nicht nur Abgasfallen, sondern auch, wie die jüngste Vergangenheit leider gezeigt hat, auch ein bevorzugtes Feld für Tunnelbrände.

Die unterzeichnenden Verbände werden einen Angriff auf die wertvollsten Erholungsgebiete im Münchner Süden mit aller gebotenen Härte zurückschlagen. Wir erinnern daran, daß eine gemeinsame Protestveranstaltung von Vereingter Bürgerinitiative und Bund Naturschutz in Bayern am 30.3.1974 unter Teilnahme von 1400 Bürgern aus der Stadt München und aus den Landkreisen München, Starnberg und Fürstenfeldbruck dem Autobahn-Südring einer klare Absage erteilt hat. Außerdem wurden dem Bayer. Staatsminister des Innern 30000 Protestunterschriften überrreicht. Wir sind gerne bereit, bei Bedarf derartige Aktionen zu wiederholen!

Wir fordern alle staatlichen Behörden und die betroffenen Gemeinden dazu auf, sich unmißverständlich von dem Autobahn-Südring zu distanzieren!

Dr. Karl Hofmann                                                                 Heinfrid Pfannes
(Vorsitzender)                                                                      (stv. Vorsitzender)

stellvertretend für die nachstehenden Teilverbände: 
und die angeschlossenen Umweltverbände aus dem Würmtal:

Bürger gegen Industriegebiet Kiesgrube Glück:  Folker Paetsch
Bürgerinitiative Krailling: Werner Engl; Kraillinger Kreis: Michael Dudek
Bürgerinitiative Stockdorf: Burkhard Gagzow; Bund Naturschutz OG Gauting: Dr. Max Vogt
Lokale Agenda 21 - Zukunftsfähiges Würmtal - : Katrin Möhle
Bürgerinitiative Neuried: Ursula Geiger-Gronau

 

Bund Naturschutz kauft und bepflanzt Sperrgrundstück – 30.03.2001

Der Bund Naturschutz (BN) kaufte von der Gemeinde Straßlach-Dingharting einen Tagwerk Acker im Südwesten von Straßlach. Am Freitag, 30. März 2001 wurde aus dem Acker eine artenreiche Streuobstwiese mit einer Wildhecke an der Nord- und Ostseite. Anstatt des geplanten Autobahn-Südrings mit Asphalt und Leitplanken blühen hier in Zukunft verschiedene Obstbäume, Sträucher und bunte Kräuter.
Glücklicherweise liegt das vom BN erworbene Grundstück genau auf einer der Trassenvarianten. Damit können die Naturschützer den Autobahnbau bei Bedarf mindestens verzögern.

Pressemitteilung des Bund Naturschutz (.pdf 8kb)

 

Naturfrevel auf Streuobstwiese des Bund Naturschutz – 12.06.2002

Unbekannte haben in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni auf dem vom Bund Naturschutz erworbenen Sperrgrundstück 23 der 24 dort gepflanzten Obstbäume abgesägt.

Pressemitteilung des Bund Naturschutz (.pdf 4kb)

 

Antrag CSU im bayerischen Landtag - 13.06.2002

Aufnahme des Autobahn-Südrings in Bundesverkehrswegeplan / Machbarkeitsstudie

Antrag
der Abgeordneten Riess, Dinglreiter, Dr. Bernhard, Dodell, Dr. Gauweiler, Breitschwert, Deml, Fischer, Gabsteiger, Guckert, Haedke, Heike, Herrmann, Dr. Kempfler, Kreuzer, Lode, Loscher-Frühwald, Matschl, Nadler, Pachner, Pschierer, Ranner, Freiherr von Rotenhan, Rotter, Sackmann, Schmid Albert, Schmid Berta, Schmid Peter, Schneider Siegfried, Schweiger, Dr. Söder, Dr. Spaenle, Stamm, Prof. Dr. Stockinger, Strehle, Thätter, Traublinger, Unterländer, Prof. Dr. Vocke, Dr. Wilhelm, Zengerle, Dr. Zimmermann (alle CSU)
BAB-Südring München

Der Landtag wolle beschließen:

Die Staatsregierung wird aufgefordert zu beantragen, dass die Schließung des Autobahnrings um München (Südring/Tunnel) in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird.

Es ist eine Machbarkeitsstudie zu erstellen, die die Belange der Bevölkerung, des Lärmschutzes, des Umweltschutzes und des Naturschutzes berücksichtigt. Der Ringschluss der Autobahn soll als ökologisch vertretbare Trasse (Tunnel) geplant und eventuell notwendige Eingriffe sollen durch Ersatzpflanzungen ausgeglichen werden.

Außerdem ist eine verkehrswirtschaftliche Untersuchung in Auftrag zu geben, die die Auswirkungen der Schließung des Südrings auf den Fern- und Nahverkehr sowie den ÖPNV und den demnächst folgenden Anschluss der A 96 an die A 99 berücksichtigt.

Begründung:

Die Prognosen bis 2015 lassen erwarten, dass mit massiven Verkehrssteigerungen insbesondere nach dem Anschluss der A 96 an die A 99 gerechnet werden muss, die mit den heutigen Verkehrssystemen ohne Ringschluss nicht mehr bewältigt werden können.

 

Protestmarsch gegen den Autobahn-Südring - 27.07.2002

Rund 500 Bürger demonstrieren gegen Südring

Teilnehmer des Protestmarsches von Deisenhofen nach Kreuzpullach kritisieren CSU-Landtagsabgeordnete Riess

Oberhaching. Rund 500 Teilnehmer eines Protestmarsches in Oberhaching haben am Samstag ein Signal gegeben, dass sie gegen das von CSU-Landtagsabgeordneten verfolgte Projekt eines Autobahn-Südrings auf die Barrikaden gehen werden. Zu der Aktion hatten die Schutzgemeinschaften Deisenhofener Forst und Rodungsinsel Straßlach-Dingharting sowie der Bund Naturschutz aufgerufen.

"Es gibt im bayerischen Landtag Kräfte, die glauben, sie müssen im Münchner Süden wieder eine Verkehrsdrehscheibe errichten", erklärte der Oberhachinger FDP-Gemeinderat Karl Hofmann als einer der Hauptinitiatoren zum Auftakt der Veranstaltung. Er sprach davon, dass die Bürgerinitiativen, die gegen die drohende Zerstörung von rund 500 Hektar Wald zu Felde ziehen, in den letzten Wochen und Monaten einen enormen Zulauf verzeichnet hätten. Unter ihrem Dach habe man ein großes Potential an Gegenkräften vereinigt, es sei damit zu rechnen, dass sich der Widerstand weiter multiplizieren werde.

Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) stärkte den Südring-Gegnern in einer kurzen Ansprache den Rücken. Prognosen von Verkehrsplanern gingen davon aus, dass die mögliche Entlastung durch einen Autobahn-Südring etwa zehn Prozent betragen würde, sagte er. Schelle unterstrich, dass den unter einer stets zunehmenden Verkehrslawine leidenden Kommunen im Norden und Osten Münchens die "ganze Solidarität" der Anrainer im Süden gehöre. Es wäre in seinen Augen jedoch "sehr bedenklich" für einen Autobahn-Südring den Südgemeinden große Lasten aufzubürden, dafür Millionen Euro an Steuergeldern auszugeben und massive Eingriffe ins ökologische Gleichgewicht vorzunehmen.

Die Protestversammlung sei ein klares Zeichen, "dass wir entschlossen sind, unseren Lebensraum zu verteidigen", hob Schelle unter Applaus hervor. Dafür ist am Samstag nicht nur eine große Zahl von Erwachsenen eingetreten, sondern auch eine Vielzahl von Kindern. Die Losungen auf den mitgeführten Transparenten sprachen eine deutliche Sprache: "Der Wahnsinn hat einen Namen - Autobahn-Südring", lautete die eine, "Naherholung für München statt Verkehrslawine" die andere Devise. Die Zielscheibe des Protestes sahen etliche Teilnehmer in der CSU Landtagsabgeordneten Roswitha Riess aus Haar. "Ihr Plan ist mies, Frau Riess", wurde in einem Kalauer angeprangert, "Stoppt die Umweltsünder Riess und Co." lautete ein anderer Spruch. Und in großen Lettern war die Sorge “Der Südring nimmt uns die Luft zum Atmen" zu lesen.

Süddeutsche Zeitung 29.07.2002

 

Resolution der Gemeinde Straßlach-Dingharting - August 2002

Resolution des Gemeinderats Straßlach-Dingharting vom 07.08.2002 zum Vorhaben eines Autobahn-Südringes

Der Gemeinderat Straßlach-Dingharting spricht sich mit Nachdruck gegen die Aufnahme des Autobahnringes München-Süd in den Ausbauplan für das Bundesfernstraßennetz aus.

Begründung:

1. Leitlinie der Gemeinde Straßlach-Dingharting war und ist eine nachhaltige und behutsame Entwicklung unseres Lebensraumes. Ein Autobahnringschluss im Süden führt durch die Verkehrsader selbst und durch das darauf aufbauende nachgeordnete Straßennetz zu einem irreversiblen Eingriff in Natur und Landschaft südlich der Landeshauptstadt München.

2. Ein Autobahn-Südring würde im Würmtal, im Isartal, im Gleißental und im Hachinger Tal unwiederbringlich Landschaftsschutz- und Naturschutzgebiete von überregionaler Bedeutung zerstören. Die betroffenen Kulturlandschaften, Waldgebiete, unverzichtbarer Naherholungsraum und die Trinkwasser-Resorvoirs einer ganzen Region würden in Mitleidenschaft gezogen.

3. Das hohe Verkehrsaufkommen im Münchner Osten und Norden ist unbestreitbar. Es ist maßgeblich bedingt durch die neue Messe in München Riem, durch den Flughafen München Franz-Josef-Strauß und durch eine expansive Ausweisung von Gewerbe- und Wohngebieten in den angrenzenden Gemeinden innerhalb und außerhalb des Landkreises München. Hierdurch wird auch überregional erheblicher Verkehr angezogen. Ein Autobahn-Südring kann jedoch diesen Ziel-und Quellverkehr nur unzureichend ableiten und den Ostring nicht wirksam entlasten. Insoweit ist das Projekt nicht zielführend. Es sind alternative Möglichkeiten zu prüfen.

4. Eine Tunnel-Lösung ist keine realisitische Alternative. Ihre technische Machbarkeit ist offen, sie würde in unvertretbarer Weise knappe öffentliche Gelder in Höhe von Milliarden Euro verschlingen und zwangsläufig nachteilig in die Grundwassersituation eingreifen. Eine "Öko-Autobahn" ist ein irreführendes Schlagwort.

5. Die Gemeinde Staßlach-Dingharting befürwortet in Solidarität mit gleichgesinnten Gemeinden des "Südbündnisses" eine weiträumige Umfahrung des Großraums München und einen weiteren Ausbau des Ostringes zur Gewährleistung einer nachhaltigen und verträglichen Entwicklung.

(Gemeinde Straßlach-Dingharting)

 

Petition - Erhaltung von Natur und Landschaft im Südlichen Erholungsraum München

P E T I T I O N

Die unterzeichneten Vereinigungen und Bürgerinitiativen stellen folgenden A n t r a g :

1. die Zerstörung der wertvollen Erholungsgebiete des Großraums München durch einen Autobahn-Südring ist abzulehnen.
2. Der Antrag der Abgeordneten Frau Roswitha Riess u. Kollegen vom 13.06.2002 (DS 14/9746), einen Autobahn-Ring München–Süd in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen, wird zurückgewiesen.

Begründung

 

Namentliche Abstimmung zum Antrag von Fr. Riess und Kollegen - 24.10.2002

Dem Antrag der Abg. Riess, Dinglreiter, Dr. Bernhard u.a. u. Fraktion (CSU) wurde in der 99. Vollsitzung des bayerischen Landtags durch die Mehrheit im Bayerischen Landtag zugestimmt. Damit wurde die Staatsregierung aufgefordert, die Aufnahme des Autobahn-Südring in den Bundesverkehrswegeplan zu beantragen und zu diesem Zweck eine Machbarkeitsstudie zu erstellen, die ca. 400.000 € kosten soll.

Abstimmungsliste der namentlichen Abstimmung

 

Petition 2 an den Bayerischen Landtag - 28.03.2003

Folgende, ergänzende Erläuterungen wurden dem Bayerischen Landtag zur Verfügung gestellt:

I. Schutzwürdigkeit des Untersuchungsgebiets
II. Verkehrströme
III. Vorschläge zur Problembewältigung
IV. Verbesserung der regionalen Verkehrsverbindungen im Süd und Osten

Volltext der Petition

 

Beratung der Ausbaugesetze mit den zugehörigen Bedarfsplänen im Deutschen Bundestag

Für das Bundesfernstraßennetz wird seit 1970 der Ausbaubedarf durch das Fernstraßenausbaugesetz geregelt. Einen Überblick zum Ablauf der Beratungen gibt folgende Presseinformation des Bundesministerium, die über folgenden Verweis geöffnet werden kann:

Presseinformation-Bundesverkehrswegeplan - 01.07.03

 

Radldemo gegen den Autobahn-Südring - 23. 08.2003

Als Protest gegen den Autobahn-Südring organisierte Bündnis 90/Die Grünen eine Radl-Demo durch die betroffenen Gebiete von Oberhaching durch das Isartal bis Planegg.

Einladung von Susanna Tausendfreund (Bündnis 90 / Die Grünen)

 

Bundesministerium veröffentlicht geplante Trasse – Sept. 2003

Nur wenige Tage war auf den Internet-Seiten des Bundesverkehrsministeriums eine Karte mit der geplanten Trasse einzusehen. Sehr schnell wurde diese Karte wieder entfernt. Wir haben diese aber lokal gesichert und sie kann hier eingesehen werden.

 

 

Bund Naturschutz befragt Landtagskandidaten 15.09.03

Klare Fronten: Grüne dagegen, CSU dafür

Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) lehnt den geplanten Autobahn-Südring konsequent ab. Die Kreisgruppe München des BN befragte 63 Kandidatinnen und Kandidaten für die kommende Landtagswahl zu deren Meinung zum Thema Autobahn-Südring und der beschlossenen Machbarkeitsstudie.

Pressemitteilung des Bund Naturschutz (.pdf 44kb)

 

Bürgerbewegung wendet sich an Herrn Bundesminister Stolpe

Mit Schreiben vom 24.02.2004 hat sich die Bürgerbewegung persönlich an Herrn Minister Stolpe und die Mitglieder des Ausschusses für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen gewendet. In der heißen Phase der Beratungen im Deutschen Bundestag haben wir unsere Bitte, den Autobahn-Südring nicht in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen, addressiert. Als Anlage erhielten alle 43 Abgeordneten einen Plan, der die meisten Naherholungsfunktionen im bedrohten Gebiet neben den im Jahre 1971 geplanten Trassen zeigt.

Schreiben der Bürgerwegung

 

Nachricht aus Berlin löst im Isartal Jubel aus - Vollbremsung für den Autobahn-Südring - Berlin stuft umstrittenes Projekt vor Verabschiedung des Bundesverkehrswegeplans zur Bedeutungs-losigkeit herab - 17.03.2004

Für die Gegner des Autobahn-Südrings war gestern ein Freudentag. Denn aus Berlin traf die Kunde ein, dass dieses höchst umstrittene Straßenbauprojekt aus dem Bundesverkehrswegeplan gekippt worden ist. Überschwänglich begrüßten vor allem Kommunalpolitiker, Naturschützer und Bürgerinitiativen-Sprecher aus dem Isartal die Entwicklung.

Das vorläufige Ende des Jahre langen Gezerres um den Autobahn-Ringschluss im Süden von München, der nach Ansicht von Kritikern verheerende Auswirkungen für Schutzgebiete im Isartal und für den Forstenrieder Park mit sich gebracht hätte, verkündeten am Mittwoch die Grünen. Schon vor der eigentlichen Abstimmung über den Bundesverkehrswegeplan im Bundestag am 18. Juni sei der Südring in die Kategorie ¸¸Kein Bedarf" herabgestuft worden, teilte die Sprecherin der Landkreis-Grünen, Susanna Tausendfreund, unter Berufung auf den Landtagsabgeordneten Christian Magerl mit. "Jetzt ist Stimmung zum Feiern, denn der Widerstand gegen die Zerstörung der südlichen Wälder und des Isartals hat sich gelohnt", jubelte die Pullacher Politikerin. Die vom Landtag beschlossene Machbarkeitsstudie könne ad acta gelegt und so 400 000 Euro gespart werden.

Überglücklich kommentierte Christine Kammermeier (SPD) das vermutliche Ende des Großprojekts. Die Baierbrunner Bürgermeisterin war stets eine der schärfsten Kritikerinnen des Vorhabens. "Meine Gebete sind erhört worden", sagte sie gestern, "ich werde jetzt erst mal eine Gedenkminute an der Isar einlegen." Die jüngste Entwicklung wertet sie als "tolles" Zeichen, dass die Spitzenpolitiker "jetzt ernster mit unserem Geld umgehen und wieder an machbaren Dingen arbeiten wollen."

Kammermeiers Schäftlarner Amtskollege Matthias Ruhdorfer (CSU), der auch Sprecher der zwölf Gemeinden des Südbündnisses ist, zeigte sich gleichfalls erleichtert: ¸¸Das Damoklesschwert ist weg." Die Dimensionen des Südrings hätten ¸¸mit dem Bedarf in unserem Bereich nichts mehr zu tun" gehabt. Davon abgesehen habe die Option Autobahn-Südring im Isar- wie im Würmtal zu einer ¸¸unheimlichen Unsicherheit" geführt, wie es mit den Verkehrskonzepten für den Münchner Süden überhaupt weiter gehen soll. Ruhdorfer hofft nun, dass der Verkehrsdruck durch Umgestaltungen des Münchner Luise-Kiesselbach-Platzes aufgefangen wird.

Von der Entscheidung in der Bundeshauptstadt überrascht worden ist auch die Vereinigte Bürgerinitiative Südlicher Erholungsraum München. Deren Vorsitzender Karl Hofmann meinte erleichtert: ¸¸Das ist ein schöner Erfolg. Wir haben lange genug dafür gekämpft. Hoffentlich frohlocken wir nicht zu früh."

Lange Gesichter gab es hingegen bei den Südring-Befürwortern. Einer ihrer prominentesten, der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Paul Gantzer, meinte enttäuscht: "Das ist ein Schlag ins Gesicht des verkehrsbelasteten Landkreis-Nordens." 

[Süddeutsche Zeitung am 18.3.2004]

Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen

Mit Schreiben vom 20.07.2004 teilt das Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen der Bürgerbewegung mit, dass der Autobahn-Südring im Zuge der A99 vom "Weiteren Bedarf mit festgestelltem hohen ökologischen Risiko" in die Kategorie "Kein Bedarf" eingestuft wurde.

Schreiben des Bundesministeriums

Machbarkeitsstudie wird in Auftrag gegeben - 02.05.2006

Projekt Lückenschluss - Die A 99-Süd wird wissenschaftlich untersucht

Der Lückenschluss des Münchner Autobahnrings, die A 99-Süd, wird demnächst per Machbarkeitsstudie untersucht. Nach Auskunft von Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) hat das Bundesverkehrsministerium seine finanzielle Beteiligung an einer auf zwei Jahre angelegten Expertise zugesagt - die Autobahndirektion Südbayern könne nun die Ausschreibung samt den erforderlichen verkehrswissenschaftlichen Vorbereitungen angehen. Beckstein hofft, dass das Papier bis zur nächsten Überarbeitung des bundesweiten Fernstraßen-Bedarfsplans vorliegt.

Die einst schon totgesagte A 99-Süd gehört zu den umstrittensten Autobahnprojekten Bayerns. Die etwa 30 Kilometer lange Trasse soll im südlichen Münchner Umland eine Verbindung zwischen der Lindauer Autobahn A 96, der Garmischer Autobahn A 95 und der Salzburger Autobahn A 8 herstellen. Der Verkehr auf dieser Strecke wird derzeit über den nördlichen Autobahnring umgeleitet, oder er fließt auf dem Mittleren Ring.

Die Trasse gilt vor allem aus Umweltgründen als hochproblematisch: Sie führt durch zahlreiche Wälder und Erholungsflächen und würde per Tunnel oder Brücke die in diesem Bereich tief eingeschnittene Isar queren. Ungeklärt ist auch, was mit der Garmischer Autobahn geschehen müsste, die plötzlich über eine überregionale Autobahnanbindung verfügte, aber nördlich von Garmisch in eine nur begrenzt leistungsfähige Landstraße samt Fortsetzung über Scharnitzpass und Zirler Berg übergeht.

Laut Beckstein müsste die Trasse der A 99-Süd weitgehend im Tunnel verlaufen - ein "technisch äußerst anspruchsvolles Projekt und eine große finanzielle Herausforderung". Schätzungen für den jüngsten Bundesverkehrswegeplan, der die A 99-Süd zunächst mit dem Makel "hohes ökologisches Risiko" aussortierte, beliefen sich auf 920 Millionen Euro. Mit der Studie soll nun untersucht werden, welche Trasse sinnvoll und technisch realisierbar wäre. Erst dann könne mit Hilfe einer Kosten-Nutzen-Analyse über Sinn und Unsinn der A 99 entschieden werden. Beckstein spricht allerdings schon heute von einem "für die Metropolregion München so wichtigen Zukunftsprojekt." Die betroffenen Kommunen und Verbände würden umfassend informiert. Derzeit ist deren Haltung gespalten - übrigens ganz unabhängig vom Parteibuch der maßgeblichen Politiker. Während sich die östlichen Umlandgemeinden eine Entlastung der A 99-Ost erhoffen, fürchten die Süd-Anrainer die direkten Folgen der Straße.

Der achtspurige Ausbau der A 99-Ost ist bereits im aktuellen Bundesverkehrswegeplan enthalten: vom Nordkreuz bis Haar in höchster Priorität, der Rest bis zum Südkreuz als "weiterer Bedarf".

Dominik Hutter

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.100, Dienstag, den 02. Mai 2006 , Seite 50


VBI-Veranstaltung in Oberbiberg - 18.06.06

Als Reaktion auf die durch die Staatsregierung iniitiierte Machbarkeitsstudie versammelte sich der VBI am 18. Juni im Gasthof Kandler in Oberbiberg. Der aktuelle Stand wurde diskutiert und weitere Aktionen gegen einen Autobahn Südring wurden geplant.

Pressesammlung des VBI

Bund Naturschutz schaltet Bundesrechnungshof ein - 07.07.06

Die Kreisgruppe München des Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) bittet in einem Schreiben an den Bundesrechnungshof um Überprüfung der Finanzierung der geplanten Machbarkeitsstudie zum Autobahn-Südring bei München. Der BN hält die geplante Machbarkeitsstudie für „sinnlose Geldverschwendung zu Lasten der Steuerzahler“ und bezeichnet die Machbarkeitsstudie in seinem Schreiben als „eine die Allgemeinheit schädigende Mittelfehlverwendung“.

Pressemitteilung des Bund Naturschutz


 

 
 

Grafiken:

Ziel-/Quellverkehr Ostumgehung München A99
Bedrohte Waldgebiete
Naherholungsgebiet