| "Verwendung von Computern in Sitzungen"
Hiermit wird gebeten, folgenden Antrag im Gemeinderat zu behandeln:
Die Verwendung von Computern wird in Sitzungen von Ausschüssen und Gemeinderat zugelassen.
Begründung:
Gemeinderäte müssen häufig hochkomplexes Zahlenmaterial analysieren und bewerten. Die Zuhilfenahme von Computern sollte den Gemeinderäten daher erlaubt sein. Aus aktuellem Anlass ist eine Abänderung des Beschlusses aus dem Jahre 2002 angebracht, da die Behandlung der LAWA-Vergleichskostenanalyse zur Abwasserentsorgung von Holzhausen im Gemeinderat ansteht.
Dr. Oliver Seth
abgelehnt
Kommentar:
Laptops müssen draußen bleiben
Straßlachs Räte gegen tragbare Computer im Sitzungssaal
Straßlach Laptop und Lederhose - in Straßlach wird es so schnell nicht zur Symbiose von High-Tech und Althergebrachtem kommen. Wo andere Gemeinden schon lange mit Video-Beamer und tragbaren Computern arbeiten, hat Straßlach noch nicht einmal eine offizielle Internetseite. Hier ist es schon eine technische Errungenschaft, wenn die Verwaltungsbeamten eine Folie an die Wand projizieren. In der jüngsten Gemeinderatssitzung lehnten die Bürgervertreter einen Antrag von Oliver Seth (BB) ab, die Verwendung von Laptops im Sitzungssaal zuzulassen.
Albert Geiger (BP) brachte das Ansinnen so in Rage, dass er sich zu einer wahren Schimpftirade auf ¸¸diese elektronischen Geräte" hinreißen ließ. Plötzlich waren im allgemeinen Gelächter nicht nur die Gemeinderäte wieder hellwach; sogar die zwei verbliebenen Zuhörer, die bis 23.30 Uhr im Rathaus ausgeharrt hatten, regten sich im Halbschlaf. Wenn dieser Antrag durchgehe, befürchtete Geiger, entstünde ein regelrechter ¸¸Zwang, diese neuen Geräte zu benutzen". Es gebe aber keine Verpflichtung, dass sich jeder die Bedienung eines Computers anzueignen habe. Die Schriftform sei immer noch die üblichste Form zur Verwertung von Informationen. ¸¸Als ehrenamtlicher Gemeinderat lehne ich es ab, mich mit solchen Themen befassen zu müssen."
Seth versuchte ihn zu beruhigen: Es müsse deshalb nicht gleich jeder Computer verwenden. Für ihn wäre es aber vorteilhaft, wenn er Daten in der Sitzung abrufen könne. Doch Geiger war nicht zu bremsen: So etwas führe in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Hier die ¸¸gescheiten Gemeinderäte", die Computer bedienen können, dort die ¸¸dummen", die weiter schriftlich arbeiteten. '¸¸Das kann nicht sein. Ich bin für eine Gleichbehandlung der Gemeinderäte." Die Bürgervertreter stimmten mit elf zu vier Stimmen gegen den Antrag. ffu
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.100, Dienstag, den 02. Mai 2006 , Seite 6 |